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Esmarch

Esmarch Hinrich Christian Öffnen Blatt

Medicianae Doctor und Badener in Flensburg, Stadt-Physicus seit 1711
* 16.07.1655 in Klixbüll, ~ 24.07.1655 in Klixbüll
† 22.09.1731 in Flensburg
Vater: Esmarch Johannes
Mutter: Reimers Dorothea
oo 1/1 02.06.1686 in Flensburg mit Lüders Christine, * 15.12.1660 in Freienwillen b. Langballig, † 10.12.1688 in Flensburg.
oo 2/1 27.06.1693 in Flensburg mit Axen Anna Magdalena, * 14.01.1663 in Tönning, † 20.06.1743 in Flensburg.
Lebensphasen von Esmarch Hinrich Christian:
Titel:Dr.med in Flensburg.
Beruf:von 1681 bis 1731 Medicianae Doctor und Badener in Flensburg, Stadt-Physicus seit 1711.
Notizen zu Esmarch Hinrich Christian:
Eltern: Johannes Esmarch und Dorothea Reimers
15 Kinder
von Erich Voß: Auf die Bedeutung der Familie Esmarch, aus der viele hervorragende Persönlichkeiten, u. a. Pastoren, Ärzte und Beamte, darunter Leiter der Deutschen Kanzlei in Kopenhagen, hervorgegangen sind, hat Dieter Lohmeier 4) im Biographischen Lexikon SH 1985 hingewiesen und in einer Stammtafel Hinrich Christian E. mit seinen männlichen Nachkommen dargestellt.
Über Hinrich Christian Esmarch, den "Medicinae Doctor, Practicus und Stadts Physicus" in Flensburg 3,76 I), wird von Zeitgenossen berichtet, daß er, wie kaum jemand vor ihm oder nach ihm, fast 1/2 Jahrhundert lang die Heilkunst ausgeübt hat, und zwar mit größter Zuverlässigkeit und besonders großem Einsatz 7) und daß er als Arzt hochgeachtet und äußerst geschickt war. 8)

Dr. med. Hinrich Christian Esmarch, der erste Arzt der Familie Esmarch, geb. 16.7. 1655 in Klixbüll, starb am 22. 9. 1731 in Flensburg, wo er, von 1681 bis 1731 als Arzt und Badener praktizierte und 1711 vom Magistrat zum Stadt-
Physicus ernannt wurde.1) Er erwarb den akademischen Grad eines "Medicinae (...) Licentiatus A. 1681, Doctor autem A. 1685". 8)
oo I. 2.6. 1686 in Freyenwillen Christina Lüders, *15.12. 1660 Freienwill,
+ 10.12. 1688 Flensburg, (2 Kinder), Tochter von Carsten Lüders, Erbherr auf Freyenwillen und Weseby, Fürstl. Glücksburgischer Kammerschreiber, und Anna Mau.
oo II. 27.6. 1693 in Flensburg Anna Magdalena Axen, *14.1. 1673, + 20.6. 1743 Flensburg, (13 Kinder), Tochter von August Axen, Fürstlicher Inspektor zu Tönning, Hafen- und Wegemeister, und Augusta Giese.
Hinrich Christian E. hat im Alter von 11 Jahren seinen Vater, den Magister Johannes E., Pastor zu Klixbüll, verloren, erhielt aber trotzdem eine vorzügliche Ausbildung, die ihn auch ins Ausland führte und über die folgendes berichtet
wird: "Sein frommer Vater" – es handelt sich um seinen Stiefvater Marcus Esmarch – "ließ ihn anfangs durch besondere Hauslehrer unterrichten; da er aber die wesentlichen Vorteile eines öffentlichen Schulunterrichts kannte, schickte er ihn nebst seine beyden Brüder im Jahre 1669 auf die Flensburgische Schule. Dritte halb Jahre lang bediente er sich dieses öffentlichen Unterrichts." 9)Anschließend wurde er zusammen mit seinen beiden Brüdern, Nicolaus Ludwig und Johann Detlef, durch einen Verwandten, den Pastor in Grube Johann Jacob Jensen,10, Nr.232) auf den Besuch der 1665 gegründeten Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vorbereitet. Am 10. Februar 1671 wurden die drei Brüder – Hinrich Christian im Alter von 15 ½ Jahren unter dem Namen "Henricus Christianus Esmarus" - in das "Album novitiorum" der Kieler Universität eingetragen. Ihr Lehrer, Professor der Theologie Christian Kortholt,11) SHBL Bd 6) der wegen seiner Gelehrsamkeit, seiner Friedfertigkeit und "warmen Frömmigkeit" ein hohes Ansehen genoß und bei seinen Studenten sehr beliebt war, leitete die Brüder "zur sorgfältigen Beachtung all jener Pflichten, die den heiligen Glauben betreffen",12) an.
Nach seiner Immatrikulation als Student der Medizin am 30. Mai 1673 wurde E. zunächst durch Prof. Johannes Daniel Major,SHBL Bd 1) dem Senior der medizinischen Fakultät, in die Anfänge der Medizin eingeführt. E. studierte
danach bei Prof. Johann Nicolaus Pechlin, dem Lehrstuhlinhaber für theoretische Medizin (einschließlich Anatomie und Botanik), der ihn auch privatim förderte. Pechlin war seinerzeit in Kiel der modernste Vertreter seines Faches. Über ihn wird berichtet, daß er - als Zeichen der Anerkennung seiner auf Beobachtung beruhenden Beiträge zum Fortschritt der sich erst allmählich von ihren antiken Vorbildern lösenden Medizin -1678 in die Gesellschaft der Naturforschenden in Deutschland (Leopoldina) und 1691 in die Londoner Royal Society aufgenommen wurde. SHBL Bd 7) Bis zum Jahre 1676 waren Hinrich Christian E. und seine beiden Brüder zusammen auf der Kieler Universität. "Im Jahre 1676 aber trennten sich die drei Brüder, welche bis dahin das Band brüderlicher Eintracht durch das Band des gemeinschaftlichen Fleißes in den Wissenschaften noch enger geknüpft hatte.
Denn da der Schüler des Aeskulaps in Holland ein weiteres Feld zu finden glaubte, wo er seine Kräfte üben konte, so suchten die beyden übrigen Brüder die Schätze der theologischen Erkenntniß zu Wittenberg zu vermehren." 9,361)
Daher schloß E. – auf Anraten seines Lehrers Pechlin - an sein dreijähriges Studium an der kleinen, nur mit zwei Lehrstühlen besetzten medizinischen Fakultät in Kiel,20) ein 3-jähriges Studium am "glanzvollen Athenäum" 12) in
Leiden an.
Hinrich Christian E. lebte in der Zeit des Übergangs vom Mittelalter in die Neuzeit, in der sich die Medizin von den dogmatischen Vorstellungen des Mittelalters 20b) befreite und sich mehr und mehr der naturwissenschaftlichen Denkweise zuwandte. Mit dieser hat E. sich offensichtlich eingehend auseinandergesetzt: "Damit ihm nichts entging, was für ihn hätte förderlich sein können, schlug er den Weg zu den Engländern und Franzosen ein, wo ja eine reiche Fülle an medizinischen Experimenten zu beobachten ist." 12) Von Leiden ging E. im April 1679 für 3 Monate nach London, anschließend nach Oxford wegen der weit und breit berühmten "Royal Society", wo er erheblich länger blieb als vorgesehen. Er hörte dort die Vorlesungen des wegen seiner physikalischen und chemischen Experimente berühmten Naturforschers Prof. Robert Boyle (1627-1691), der die Erfahrung für den einzigen zuverlässigen Weg zur Wahrheit hielt.19) Bemerkenswert ist ferner, daß E. sich aus dem Wunsch nach einer umfassenden chirurgischen Ausbildung anschließend nach Paris begab, um die seinerzeit berühmtesten Chirurgen Lescot und Blegny zu hören, die "in den geheiligten Räumen der Anatomie" wirkten. "Unter ihrer Leitung wird jene Fachausbildung bis zum Zehennagel durchgeführt; dort gibt es Nosodochien," (Krankenhäuser) " wo mit Praxisfällen, dort gibt es Conventikel mit ausgesuchten Kollegen, wo mit Diskussionen von Fachleuten und Gegenargumenten der Tag ausgefüllt ist. Nachdem er also hier die Frist eines ganzen Jahres verbracht hatte, reiste er durch die Champagne, Lothringen, das Elsaß, besuchte Straßburg, Speyer, Worms, Mainz, Frankfurt, Gießen, Kassel und andere Städte auf seiner Reise, betrieb aber dann seine Rückkehr in die Heimat." Diese bibliographischen Angaben sind der Rede von Prof. Dr. Nicolaus Pechlin entnommen, die der 1681 in Kiel gedruckten Dissertation von H.C. Esmarch "Disputatio Medica inauguralis de Phrenitide" (Über die Zwerchfell- Entzündung) 12a) vorangestellt ist. Pechlin bittet darin "die erlauchten Herren Ordinarien" dringend, daß Esmarch, "ein Mann, der gewiß verdient, daß er nach all dem Fleiß und Aufwand an Energie, den er in so vielen Jahren bewiesen hat, nicht nur den Gelehrten, sondern tatsächlich den Doctores zugerechnet wird".12) Dieser Bitte wurde jedoch nach der für den 12. Juli 1681 anberaumten öffentlichen Prüfung, - "Omnes omnium ordinum Cives honoratissimos, officiose & humaniter hoc Programmate invitat" 12) - bei der Hinrich Christian E. "pro licentia de Phrenesi disputierte" 12a) -wie es in einem Gelegenheitsgedicht seines Bruders Nicolaus Ludwig E.15) heißt – nicht in vollem Umfang entsprochen. Vielmehr, vermutlich aus formalen Gründen,13a) wurde Hinrich Christian E. 1681 - wie auch von Achelis 14a) angegeben wird - lediglich die "Licentia medicinae" verliehen.11a) Daß ihm die Doktorwürde erst 4 Jahre danach verliehen wurde, beruht wohl darauf, daß sein Doktorvater, Prof. Pechlin, 1680 als Leibarzt an den Gottorfer Hof berufen wurde und mit dem Herzog Christian Albrecht 11) jahrelang im Exil in Hamburg gelebt haben dürfte. 16) Bereits 1681 und nicht erst 1685, wie in der Literatur angegeben wird, ließ sich E. als praktizierender Arzt in Flensburg nieder.16a) Er wohnte von 1693 an in dem in den "Kunstdenkmälern" beschriebenen Hause Holm 41.23)
Zu dieser Zeit war die Behandlung innerer Leiden den studierten Ärzten vorbehalten. "...Niemandem, außer obgemeldete Promotis Medicis, muß verstattet werden, Medikamenta innerlich zu exhibieren oder zu verschreiben. Alle anderen, sie seyen Apotheker, Barbierer, Chymisten, Oculisten, Bruchschneider, Quacksalber, Empiri oder wie sie Namen haben mögen, Männer und Weiber sollen sich dessen enthalten, nur, daß die Barbierer bey einem Falle, Stich oder Hiebe, Wundtränke eingeben können- sie sollen aber den Arzt holen." (Medicinalverordnung vom 4.12. 1672).13,36) Aufgrund seiner intensiven chirurgischen Ausbildung in Paris konnte E. neben seiner ärztlichen Tätigkeit auch die eines Baders oder Barbiers ausüben.
Diesen, die auch als Wundärzte oder Chirurgen bezeichnet wurden, war damals noch die Ausübung der Chirurgie vorbehalten,17,288) während es um 1600 den studierten Ärzten verboten war, ja, es galt als Schande, Operationen vorzunehmen und äußere Leiden zu behandeln.17,284) Ab 1740 war dann die Ausübung der Chirurgie nur examinierten Barbieren vorbehalten,20b) während sich die Tätigkeit der übrigen Barbiere auf Aderlassen, Setzen der Igel und der Spanischen Fliege, Schröpfen und Zahnziehen etc. beschränken mußte.18) 20a) Ab 1711 ist E. dann auch - entgegen den Angaben von Achelis 22) - Physikus, und zwar Stadt-Physikus von Flensburg, gewesen. Dieses wird durch Schriftstücke des Stadtarchivs Flensburg 1) eindeutig belegt. Aus diesen geht hervor, daß E. 1711, während des Nordischen Krieges, wegen drohender Seuchengefahr einstimmig zum Stadtphysikus gewählt wurde und für diese Tätigkeit erst ab 1726 ein Salär erhielt, nachdem ihm bis dahin lediglich die Befreiung von Contributionen und Einquartierung gewährt worden war. Der von E. genannte, auf Anordnung des Dänischen Königs 1713 verfaßte "Rapport"
über die in der "versperrten Stadt Rendsburg" grassierende Pest-Seuche,1c) findet in der Literarur bisher keine Erwähnung.
Aus Esmarchs Hauschronik, über deren Verbleib nichts bekannt ist, sind einige familiere Aufzeichnungen überliefert.6,32)
Von seinen 15 Kindern aus 2 Ehen sollen hier genannt werden: 4,50 - 51)
· Johann Marquard E., 1687-1730, Compastor zu Barmstedt, ledig.
· Christian E., 1688 -1744, Pastor zu Boel. 24,Nr.16) 25)
· August E., 1694 -1765, Pastor zu Ulsnis. Vorfahre des Verfassers.8) 26)
· Dorothea Christina E., 1698-1731, oo Matthias Valentiner, Flensburg. 7) 23)
· Augusta Magdalena E., 1699-1770, oo Lorentz Stricker, Rathsverw. Flensburg.
· Heinrich Christian von E.,1702-1769, 1748 "Kön. Cabinets-Secretair", 1759 geadelt, 1760 Etatsrat , 1769 Conferenzrat in Kopenhagen. 2,2) 28) · Marg. Caecilia E., 1705-1786, oo Wilhelm Valentiner, Rathsverw. Flensburg. 29) 23)
· Michael Ludwig E., 1707-1772, Pastor zu Rastede in Oldenburg.30)
· Friedrich E., 1713 -1776, Arzt in Flensburg. 14) 31) Keine Kinder.
· Anna Maria Elisabeth E., *1716, oo Pastor Posselt zu Groß- u. Klein-Solt.
Kind mit Lüders Christine:
Esmarch Christian, Pastor in Böel/Angeln
* 25.05.1688 in Flensburg, † 02.07.1744 in Böel/Angeln
oo 09.02.1717 mit Hoyer Catharina.
Kinder mit Axen Anna Magdalena:
1) Esmarch Augusta Magdalena
* (err) 10.1699 in Flensburg, † 23.12.1770 in Flensburg
oo 1/2 24.09.1716 in St. Marien/Flensburg mit Stricker Lorenz, Rathsverwandter in St. Marien/Flensburg.
2) Esmarch Margaretha Cecilia
* 19.07.1705 in Flensburg, † 18.08.1786 in Flensburg
oo 01.06.1736 in St. Nikolai/Flensburg mit Valentiner Wilhelm, Ratsherr in Flensburg, "aus besonderer königlicher Gnade bestallt".
3) Esmarch Michael Ludwig, Pastor in Rastede i. Oldenburg
* 16.02.1707 in Flensburg, † 09.12.1772 in Rastede i. Oldenburg
oo 22.06.1741 mit Lorck Christiane Margarethe.
4) Esmarch Anna Maria
* 18.12.1716 in Flensburg, † 05.01.1793 in Großsolt
oo 25.05.1759 mit Posselt Samuel Valentin, Pastor in Großsolt.
Signatur: 18555
Forscher: © /http://www.Adelby.com/ Helmut Martensen, 24943 Flensburg; EMail: Martensen@t-online.de
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Ahnentafel
4 Esmarch Nicolaus, Pastor
* 1580 Rabenkirchen b. Ekenis † 27.08.1655 Klixbüll
oo 15.05.1614
8 Esmarch Jacob, Pastor
* (err) 1551 Esmark b. Satrup † 12.06.1635 Ülsby
oo 2/1 um 1580
9 Baumeister Margaretha (>>)
* um 1564
2 Esmarch Johannes, Pastor
* 06.12.1616 Klixbüll † 10.08.1666 Klixbüll
oo 1/1 13.08.1652 Klixbüll
5 Lucht Anna
* 10.01.1588 Schleswig † 05.02.1667 Klixbüll
10 ...
11 ...
1 Esmarch Hinrich Christian, Medicianae Doctor und Badener
* 16.07.1655 Klixbüll † 22.09.1731 Flensburg
6 Reimers Heinrich, Verwalter der Rantzauschen Güter
* 06.10.1600 Melbeke bey Itzehoe † 04.03.1657 Lindewitt
oo 01.02.1631 Kiel
12 Reimers Henrich (>>)
Pächter
* (s) 1570 † ... Gut Koxbüll
oo ...
13 Pflug Wibecke (>>)
Kammermädchen
* ca. 1554 Schloß Breitenburg
3 Reimers Dorothea
* 10.02.1635 Lindewitt † 06.01.1700 Klixbüll
7 Hannemann Anna
* 05.01.1602 Krempe/Holstein † 02.05.1674 Lindewitt
14 Hannemann Ludwig (>>)
Kaufmann
* (s) 1570 Krempe/Holstein † 1610 Krempe/Holstein
oo vor 1600
15 Eggen Anna (>>)
* (s) 1570 Kollmar † vor 1630

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Stand: 24.12.2013 12:40:56
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